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Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr

Richtwerte für drei Länder


Zum ersten Mal haben sich Wissenschafter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf gemeinsame Richtlinien für die tägliche Nährstoffzufuhr geeinigt.

Die neuen Empfehlungen wurden gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) und der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) erarbeitet. Sie beziehen sich auf die täglichen Zufuhren von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten sowie von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Nahrungsfasern. Dabei werden neben den ernährungsbezogenen (nutritiven) Aspekten erstmals auch die krankheitsvorbeugenden (präventiven) Eigenschaften der Nährstoffe berücksichtigt.
Die nutritiven Eigenschaften der Nährstoffe sollen die Gesundheit und Lebensqualität der gesunden Personen erhalten und fördern sowie die lebenswichtigen physischen und psychischen Funktionen sicherstellen. Bei den präventiven Aspekten von Nährstoffen und Nahrungsinhaltstoffen werden langfristige protektive und gesundheitsfördernde Eigenschaften berücksichtigt, die in wissenschaftlichen Untersuchen erkennbar geworden sind. Dazu zählen z.B. die Verhütung von Osteoporose (Knochenentkalkung) durch Vitamin K oder die Vorbeugung eines Neuralrohrdefektes (offener Rücken) bei Neugeborenen durch Folsäure.
Die neuen Referenzwerte sind namentlich für Ernährungsfachleute, Ärzte, Apotheker, Hauswirtschafts- und Berufsschullehrer/-innen usw. eine unerlässliche Orientierungshilfe in der täglichen Praxis. Die wichtigsten Veränderungen gegenüber den bis jetzt auch in der Schweiz häufig verwendeten «Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr der DGE» betreffen die Zufuhr von Energie, Fettsäuren, Vitamin E, Betacarotin, Folsäure, Calcium und Alkohol.

Energie


Die Richtwerte für die Energiezufuhr liegen höher als bisher, da sie auf einer neuen Berechnungsart beruhen. Dies bedeutet aber nicht, dass jetzt jeder wesentlich mehr Energie zu sich nehmen kann. Den Werten für den Basis-Energieverbrauch (Grundumsatz) wurde eine definierte körperliche Aktivität zuaddiert.

Fett


Die Richtwerte für die Gesamtfettzufuhr blieben im wesentlichen unverändert, allerdings sollten höchstens 10 Prozent der Fettzufuhr als gesättigte und 7 Prozent als mehrfach ungesättigte Fettsäuren zugeführt werden. Ausserdem sollte neuerdings das empfohlene Verhältnis von n-6- zu n-3-Fettsäuren weniger als 5 zu 1 betragen.

Vitamin E


Für Vitamin E werden Schätzwerte für die Zufuhr von Tocopherol-Äquivalenten (Umrechnungswert für Vitamin E-wirksame Verbindungen) gegeben, die höher liegen als die bisherigen Empfehlungen. Diese Werte werden auf den Gehalt an ungesättigten Fettsäuren in der Nahrung bezogen. Dazu kommt ein Zuschlag zum Schutz von ungesättigten Fettsäuren, die im Stoffwechsel entstehen. Dadurch ergibt sich ein täglicher Grundbedarf von 4 mg Alpha-Tocopherol-Äquivalenten. Als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr gelten 12 mg Alpha-Tocopherol-Äquivalenten für Frauen und 14 mg für Männer zwischen 25 und 51 Jahren. Diese Mengen können in ausreichendem Masse über normale Lebensmittel aufgenommen werden. Supplemente sind nicht nötig.

Betacarotin


Für Betacarotin gilt ein Schätzwertbereich von 2 bis 4 mg pro Tag. Dieser Wert ist aufgrund epidemiologischer Studien präventiv wirksam und gesundheitlich auch für Risikogruppen wie starke Raucher unbedenklich.

Folsäure


Die neue Definition der Folsäure-Äquivalente aus den USA und Kanada wurde übernommen, um Verwirrungen im internationalen Bereich zu vermeiden. Damit gilt nun, dass 1 µg Folat-Äquivalent 1 µg Nahrungsfolat bzw. 0,5 µg synthetischer Folsäure (Pteroylmonoglutaminsäure) entspricht. Die empfohlene Zufuhr von Nahrungsfolat liegt höher als früher, da die präventive Wirkung von Folsäure auf den Homocysteinspiegel im Plasma berücksichtigt wurde. Ausserdem wird speziell auf die Verhütung eines Neuralrohrdefektes durch eine ausreichende Versorgung mit Folsäure über Supplemente in der Frühschwangerschaft eingegangen.

Calcium


Die empfohlene Zufuhr von Calcium wurde aufgrund neuerer epidemiologischer Daten z. B. für Kinder zwischen 13 und 15 Jahren auf 1200 mg täglich erhöht. Für die übrigen Altersgruppen wurden die Empfehlungen nicht durchweg entsprechend den amerikanischen Werten (DRI) angehoben, da die Datenlage nicht ausreicht. Ausserdem wird auf die Folgen einer überhöhten Calciumzufuhr eingegangen.

Alkohol


Erstmals wurde für Alkohol ein Richtwert benannt. Danach sollten Männer nicht mehr als 20 g Alkohol pro Tag und Frauen nicht mehr als 10 g zu sich nehmen. Diese Menge gilt als gesundheitlich verträglich und berücksichtigt die präventive Wirkung von Alkohol im Hinblick auf das Risiko eines Herzinfarktes.

Buch, Format 15 x 21 cm, 240 Seiten, 1. Auflage 2000


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